NATÜRLICHE SÄUGLINGSPFLEGE

...ist ein anderer Ausdruck für die sogenannte 'Windelfrei'-Methode. Babys geben vom ersten Lebenstag an Zeichen, wenn sie ihr grosses oder kleines Geschäft verrichten müssen. Wenn wir Eltern diese Zeichen erkennen lernen - was nicht schwierig sein muss - schaffen wir eine intensivere Kommunikation mit dem Baby, und unsere Kinder fühlen sich verstanden und bekommen ein natürlicheres Körpergefühl. Wenn das Baby ein Zeichen gibt, wird es ganz einfach über ein Töpfchen, Klo oder über die Badewanne abgehalten, und das grosse oder kleine Geschäft wird erledigt, ohne dass etwas kleben bleibt. Die Methode kann ganz ohne Windeln, aber auch zeitweise oder immer mit Windeln praktiziert werden. Diese werden dann einfach jedes Mal beim Abhalten ausgezogen. Für Eltern in anderen Kulturen, die keine Windeln haben, ist diese Methode eine Selbstverständlichkeit. 

Da jedes Baby anders ist, heisst es, herauszufinden, wie es uns darauf aufmerksam macht, dass es ausscheiden muss. Folgende Zeichen kann Ihr Baby machen:

 

  • Unruhe, 'Meckern', Wechsel von guter Laune auf schlechte
  • Weinen
  • Durchstrecken des Körpers
  • Strampeln mit den Beinchen (als ob es weggehen möchte)
  • Unruhe an der Brust, kann nicht richtig andocken
  • Will nicht getragen werden (da es niemanden nicht anpinkeln will)
  • bei älteren Kindern: an die Geschlechtsteile greifen, von einem Bein aufs andere stehen

 

Es gibt auch Zeiten oder Umstände, zu denen fast immer ein Pipi kommt:

 

  • Kurz nach dem Aufwachen aus dem Schlaf
  • Während oder kurz nach dem Stillen
  • Nach ca. 20 Uhr pinkeln Babys nicht mehr bis ca. 2 Uhr morgens. Am Morgen pinkeln sie sehr häufig, am Nachmittag etwas weniger oft. Diese Zeiten und Abstände lassen sich relativ leicht bei Ihrem Baby herausfinden. Je älter das Kind, desto grösser werden die Abstände, da die Blase zunehmend mehr fassen kann.

 

Ich empfehle interessierten Müttern, in der Schwangerschaft eines der unten angegebenen Bücher zu lesen. Da 'Windelfrei' bei uns (noch) nicht stark verbreitet ist, ist man als Mutter, die natürliche Säuglingspflege anwendet, oft froh um Kontakte zu anderen Windelfrei-Mamis. Ich stehe gerne für Fragen und Austausch zur Verfügung, ebenso wie die Austausch-Gruppe um Sandra Gerber (Email siehe bei den Links).

 

EINIGE INTERESSANTE TATSACHEN UND ANGENEHME NEBENEFFEKTE DER NATÜRLICHEN SÄUGLINGSPFLEGE

  • Wie bereits erwähnt entsteht eine intensive Kommunikation zwischen Mutter/Vater und Kind. Es ist faszinierend zu entdecken, wie sich Babys bereits kurz nach der Geburt mitteilen. Da sie sich von Natur aus nicht selber anpinkeln oder anstuhlen wollen, strampeln sie mit den Beinen, weinen oder verziehen das Gesicht.
  • Die Haut am Kinderpopo wird geschont, da sie weniger oft und weniger lange mit Stuhl oder Urin in Kontakt ist. Windelekzeme kommen praktisch nicht vor.
  • Die Umwelt wird entlastet: Es werden weniger Windeln benötigt.
  • Die Kinder sind schneller trocken. Vor allem das grosse Geschäft machen sie sehr früh fast nur noch ins Töpfchen (bei uns mit ca. 10 Monaten).
  • Es wird empfohlen, die 'Windelfrei'-Methode spätestens mit vier Monaten zu beginnen, weil es Babys danach aufgeben, sich bemerkbar zu machen. In diesem Zusammenhang stelle ich die Vermutung an, dass die sogenannte Dreimonatskolik lediglich die Gewöhnungszeit an das Windeln-Tragen ist. Mit der natürlichen Säuglingspflege könnte dieses Problem wahrscheinlich elegant gelöst werden.

 

Fazit aus der Reinlichkeitsstudie von RIta messmer

Die Autorin, Erwachsenenbildnerin und Cranio-Sacral-Therapeutin Rita Messmer, die sich intensiv mit Erziehungsfragen auseinandersetzt, hat eine Reinlichkeitsstudie durchgeführt und ist zu folgendem Fazit gekommen:

"Die Ergebnisse der Befragung zeigen eindeutig, dass eine frühe Stimulation der Reinlichkeit möglich ist. Je früher mit der Reinlichkeitsmethode begonnen wird, umso weniger Pannen gibt es später. Gestillte Kinder reagieren sensibler auf verbale Signale der Eltern. Eltern, die sich auf ihr Bauchgefühl verlassen, wenden die Methode häufiger an. Sie fühlen sich weniger gestresst, sehen keinen oder nur einen geringen Mehraufwand. Sie haben auch das Gefühl, dass die Sache der Entwicklung ihrer Kinder hilft. Die Methode ist in meinen Augen sehr gut umsetzbar: Ein Neugeborenes braucht an sich schon viel Zeit und Zuwendung. Darin geht im ersten Moment der Mehraufwand des Abhaltens unter. Dafür fördert die Methode nebst Nähe und Zuwendung sehr schnell das Interesse und die Neugier der Eltern für die von der Natur angelegten Entwicklungsschritte. Es gibt ihnen ein Gefühl der Kompetenz. Die Methode wird so bald zur Routine und zur Selbstverständlichkeit und der Aufwand reduziert sich beträchtlich. Das Kind lernt seinen Körper und seine Bedürfnisse kennen – es kann sich bald schon verbal mitteilen. So lässt sich die Methode auch problemlos umsetzen, wenn das Kind fremdbetreut ist. Es ist zu hoffen, dass in Zukunft mehr Eltern diese Methode anwenden, so dass sie nicht mehr als exotisch oder gar Misshandlung taxiert wird. Dazu muss die Methode in der Gesellschaft wieder eine breite Akzeptanz erfahren wie ehemals das Stillen, das man den Müttern auch fast abgewöhnt hatte, um dann doch eines besseren belehrt zu werden. Dass die Methode nicht nur bei Naturvölkern und nicht-industrialisierten-Völkern sehr gut klappt, zeigt ja das Beispiel China – ein hochindustrialisiertes Land. In China werden Kinder – weil die meisten Mütter berufstätig sind - sehr früh fremdbetreut und trotzdem werden alle Kinder problemlos abgehalten."

Die ganze Studie finden Sie unter: http://www.unsere-zukunft.ch/ritamessmer/sites/default/files/reinlichkeitsstudie.pdf

 

EVENTUELLE NEGATIVE NEBENEFFEKE

Es besteht die Gefahr, dass man als Mutter zu stark auf die Ausschei-dungen fixiert ist, was zu Stress führen kann.

In einigen Büchern wird erwähnt, dass das Funktionieren der natürlichen Säuglingspflege ein Gradmesser für die Beziehung zwischen Mutter und Kind ist. Dies stimmt zwar teilweise, aber es gibt auch Phasen, wo die Kinder einfach keine Zeichen mehr geben oder nicht mehr abgehalten werden wollen. Abgesehen davon hat jede Mutter und jedes Kind zwischendurch schlechte Tage. In solchen Phasen empfiehlt sich das Windeln-Tragen und Entspannen. Meist geht es danach wieder problemlos weiter.

 

LITERATUR

  • Ingrid Bauer: Es geht auch ohne Windeln
  • Laurie Boucke: TopfFit
  • Nadine Wenger: Babyglück
  • Rita Messmer: Ihr Baby kann's!
  • Julia Dibbern: Geborgene Babies